"Inspektor Takeda und der leise Tod" - Buchrezension

   

Allgemeine Infos:
Titel: "Inspektor Takeda und der leise Tod"
Originaltitel: -
Autor: Henrik Siebold
Übersetzung: -
Erscheinungsdatum:  2017 (D)
von mir rezensierte Auflage: 1. Auflage 2017
Originalpreis: 9,99€ (D)
Verlag: Aufbau Verlag
Umfang / Buchart: 352 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Kriminalroman
ISBN: 978-3-7466-3300-8
Info: 2. Teil der Inspektor-Takeda-Reihe. Auch als E-Book erhältlich.

Buchrücken:

"DER TOTE AUS DER HAFENCITY
Kenjiro Takeda, eigentlich Inspektor der Mordkommission in Tokio, fremdelt noch ein wenig - mit dem Wetter in Hamburg und den deutschen Umgangsformen. Seine Kollegin Claudia Harms teilt keineswegs seine Vorliebe für Jazz und Teezeremonien, aber beide sind hervorragende Ermittler. Als ein gefeierter Star der Internetszene tot aufgefunden wird, sind sie besonders gefordert: Markus Sassnitz wurde nicht nur überfahren, sondern auch noch erstickt. Er hatte offenbar viele Feinde, doch eine Person gerät sofort ins Visier der Fahndung: seine Ehefrau. Sie allerdings übt auf Takeda eine besondere Faszination aus.
Ein japanischer Ermittler - er liebt amerikanischen Jazz, europäische Frauen und arbeitet mit ganz eigenen Methoden"

Beschreibung auf der ersten Buchseite:
"Kenjiro Takeda und die deutsche Kommissarin Claudia Harms sind im Stress: Erst entdecken sie in einer Hochhaussiedlung am Rande Hamburgs die Leiche eines Kindes. Dann wird in der HafenCity ein prominenter Internet-Unternehmer tot aufgefunden. Er ist offenbar mit hohem Tempo überfahren worden. Klar, dass die Ermittlungen sich zunächst auf die Witwe des Toten konzentrieren. Susanne Sassnitz verstrickt sich zudem in Widersprüche und versucht, den Verdacht auf einen Geschäftspartner ihres Mannes zu lenken. Claudia Harms misstraut ihr sofort; Takeda jedoch, ohnehin fasziniert von euopäischen Frauen, droht ihren besonderen Reizen zu erliegen."
_________________________________
Kurz über den Autor:
"Henrik Siebold ist Journalist und Buchautor. Er hat unter anderem für eine japanische Tageszeitung gearbeitet sowie mehrere Jahre in Tokio gelebt. Unter seinem Namen Daniel Bielenstein hat er bisher zahlreiche Romane und Jugendbücher veröffentlicht. Er lebt in Hamburg." (aus dem Buch) Weitere Pseudonyme des Autors sind: Philip Tamm und Jakob M. Leonhardt.
_________________________________

"Inspektor Takeda"-Reihenübersicht:
(Links führen zu meinen jeweiligen Buchrezensionen)

  1. "Inspektor Takeda und die Toten von Altona"
  2. "Inspektor Takeda und der leise Tod"
_________________________________
(Einige) Vorkommende Charaktere:

Polizei & Co:

Kenjiro Takeda - Inspektor aus Japan
Claudia Harms - seine Hamburger Kollegin
Holger Sauer - Chef bei der Kripo
Ludger Terzian - Rechtsmediziner
Markus Tellkamp - Leiter des Spusi-Teams
Dr. Angelika Reimann - Mitarbeiterin von Ludger Terzian
Klaus
 Fechter - Teil des Spusi-Teams
Werner Hansen - Leiter der Unfallanalyse, KTU zugeordnet, Sachverständiger
Torsten Keller- Zollfahndung
Weitere Kripo-Kollegen: Christine Meltendorf, Ottmar Preuß, Klaus-Dieter Haferkamp, Marion Zeptisch, Horst Kröger, Klaus Dieter Varel, Kati Sussnek, Dieter Vollmer

Die Ermittlungen betreffend:

Pascal Rüthers, Melanie Rüthers, Heiko Niemann - verwahrloste, abhängige Familie, 1. Fall im Buch
Markus Sassnitz - Toter Firmenchef, investierte in viele Firmen, u.a. die DMH
Susanne Sassnitz - Ehefrau von Markus
Armin von Suttner - Unternehmensgründer, mit Sassnitz in der Firma DMH an der Spitze
Nicolai Meissner - ehemaliger Mitarbeiter der DMH, Sohn eines Taxiunternehmens
Alexander Marbach - Mitarbeiter der DMH
Pawel Kowaljow - Chefprogrammierer der DMH
Elja (Eleonora) Baranova - Firmenchefin der Baltic Sea Logistics, Freundin von Sassnitz
Thomas Wesemann - freiberuflicher IT-Berater
Ralf Liebherr - freier Journalist

Sonstige:

Andreas - Affäre von Claudia
Sachiko - Affäre von Takeda
Makiko - Ex-Frau von Takeda
Yuri - ehemalige Geliebte Takedas
"Bird's" - kleiner Jazz-Club, in dem Takeda regelmäßig spielt
Tetsuro Yamaguchi - Wirt des "Hotoke", jap. Stammlokal Takedas in Hamburg
_________________________________

Meine Meinung:
Vorsicht, evtl. wieder kleinere Spoiler. 

Wie der Titel es schon sagt, kommt der Tod in diesem Buch sehr leise: Am Anfang nimmt ein totes Kleinkind, das vermutlich von einem Wohnhaus gestürzt ist, die beiden Ermittler mit. Der erschütternde Fall wird zeitnah geklärt und es geht über zum nächsten Fall: Markus Sassnitz, ein erfolgreicher aber umstrittener Firmenchef, liegt tot und nackt auf einer Straße. Takeda vermutet recht schnell, dass er leise überfahren wurde und starb. Die Ermittlungen im Roman drehen sich rund um den Fall und wie im ersten Buch ist der komplizierter als gedacht. Markus Sassnitz stellt sich schnell heraus als jemanden, der nicht nur Freunde hatte, in der Tat hatten viele Menschen ein Motiv: War es die vernachlässigte Ehefrau oder eine seiner Geliebten? Hatte es etwas mit seinen Investierungen in Firmen zu tun, der DMH, an der er aktuell arbeitete, oder eine andere Investition? Oder führt die Spur gar ins Drogenmilieu, denn eine nicht erhebliche Summe an Crystal Meth wird in seinem Büro gefunden. Mit der Zeit stellt sich heraus: So strahlend, wie Markus Sassnitz sich verkaufte, war er bei Weitem nicht...

Die Ermittlungen verfolgen mal hier und da eine Spur, im Grunde ist es recht ähnlich gehalten wie im ersten Takeda-Roman: Es gibt sich verdichtetende Hinweise auf ein Motiv, dann geht es doch wieder in eine andere Richtung. Dieses Mal ermitteln nicht nur quasi Claudia und Takeda allein, sondern es gibt ein etwas größeres Team. Die beiden entscheiden, aber es sind noch mehr Leute beteiligt, was mir gefallen hat. Allerdings gibt es wie gesagt einige Parallelen zum ersten Buch: Die Spuren gehen mal hin und her, kreisen die Verdächtigen ein und was mir nicht gefallen hat: dass wie im ersten Teil erst kurz vor dem Ende entscheidende Zeugen/Beteiligte bekannt werden. Klar, dass soll die Spannung erhöhen, aber da das jetzt schon das zweite Mal so war, hoffe ich, dass das bei weiteren Teilen nicht immer genau so weiter verläuft. Außerdem gibt es wie schon im ersten Teil wieder großen Krach zwischen den beiden, wo Claudia wieder wütend auf Takeda ist und kurz die Beherrschung verliert. Ich hoffe, auch das ist nicht in jeder weiteren Fortsetzung der Fall.

Was mir außerdem nicht gefiel
, war, dass Takeda in diesem Buch mit einer Zeugin oder sogar Verdächtigen eine Affäre beginnt. Das fand ich sehr unprofessionell. Zumal er davor ja noch eine andere Affäre hatte.. Auch Claudia bleibt sich treu und ist weiter für Männer nicht greifbar, sie beginnt eine Affäre mit einem Mann, die jedoch auch wieder schief geht. Ebenfalls finde ich, dass der Text auf dem Buchrücken schon zu viel verrät: Dass Markus Sassnitz nicht nur überfahren wurde, sondern auch erstickt, kommt erst später heraus. Und das Claudia  seine Vorliebe für Teezeremonien auch nicht teilen würde, stimmt so auch nicht: Viel eher genießt sie es, wenn Takeda ihr auch einen Matcha macht und sie gemeinsam einen Moment lang herunterkommen können.
Dafür amüsiert sie den Leser (mich zumindest) weiterhin mit ihrer Liebe zu ihren Pflanzen. Einmal mehr unternimmt sie alles mögliche, damit es ihren Pflanzen im Büro gut geht. Takeda dagegen hat seine Jazz-Leidenschaft mittlerweile in einen Club verlegt, in dem er schon eine feste Stammhörerschaft hat. Diese Zwischendinge sozusagen waren für mich dann wieder sehr amüsant. 

Neben der historischen und demografischen Geschichte Hamburgs, die wir nebenbei wieder im Roman beschrieben bekommen, sind auch allgemeine Themen wieder eingebracht. Ging es im ersten Buch um links- und rechtsextremistische Strömungen, sind hier Themen wie Kindeswohlgefährdung, Firmenentwicklung, oder Drogen beispielsweise Thema. Da kann man noch so einiges Lernen, etwa: das Crystal Meth zuerst in Japan entdeckt wurde ("Shabu"); den japanischen Künstler Funakoshi; dass 1873 die "Iwakura-Mission" stattfand (und Politiker und Gelehrte aus Japan nach Nordamerika & Europa, auch Hamburg, verschlug); oder dass Ross Ulbricht die sogenannte Silk Road im Darknet führte. Da merkt man dann auch gleich, dass das Buch von 2017 stammt, denn mittlerweile sitzt z.B. Ross Ulbricht nicht mehr lebenslänglich im Gefängnis (wurde von Donald Trump begnadigt) oder ist der Künstler Funakoshi bereits verstorben. Davon abgesehen finde ich es aber immer wieder interessant, wie der Autor dem Leser etwas zu Hamburg und seinen Bewohnern näher bringt.

Auch Inspektor Takedas japanische Sicht auf die Leute gefällt mir nach wie vor, auch, wie er manchmal an sich zweifelt, ob er als Japaner überhaupt alles richtig bei den deutschen Zeugen und Verdächtigen etc. richtig sinngemäß versteht und einordnen kann. Und dann findet er neben all den Unterschieden zwischen Japanern und Deutschen doch wieder Gemeinsamkeiten oder Parallelen und neben einem so ehrlich herrlichen Blick auf die Deutschen kommt doch neben all der harten Ehrlichkeit auch doch immer wieder etwas versöhnliches, positives über sie. Dieser ehrliche Blick des Autors auf die Deutschen finde ich immer wieder schön. Trotzdem merkt man, dass Takeda sich langsam in Deutschland einlebt, dass er Lieblingsorte hat oder besser zurechtkommt. Nichtsdestotrotz gibt es trotzdem immer mal wieder noch kleine Missverständnisse, die den Leser amüsieren. Aber auch der wie schon im ersten Teil vorkommende Alltagsrassismus, den Takeda in Deutschland erfahren muss, kommt hier und da wieder zum Einsatz und zeigt dabei realistisch, was Menschen in Deutschland mit anderer Herkunft erleben (müssen). Inspektor Takeda besticht jedoch dadurch, dass er so etwas nie wirklich persönlich nimmt und die Menschen ehrlich studieren und verstehen will. Sein Ehrgeiz und seine Offenheit ist das (sowie seine ungewöhnliche Ermittlungsmethoden), was die Leute oft erst überrumpelt, bevor sie es für gut befinden und mit ihm reden. Natürlich ist es ein deutscher Autor, der versucht einen japanischen Charakter zu schaffen und natürlich gibt es da hier und da auch Klischees- aber man muss es wohl nach wie vor humorvoll und nicht zu ernst sehen. 

Die Chemie der beiden Ermittler finde ich nach wie vor gut gemischt, beide tun sich gegenseitig gut, beide haben ihre Schwächen und sieht man davon ab, dass Claudia mal wieder kruzzeitig einen Ausraster hatte, sind sie eigentlich ein gutes Team, dass sich aber doch nicht immer alles erzählt. Ich bin gespannt, wie es mit den beiden in weiteren Fällen weitergeht, wie sich die Chemie zwischen ihnen weiterentwickelt, aber auch, ob die weiteren Fälle ähnlich wie bisher aufgebaut sind (Ich hoffe nicht). Das Buch hier fand ich trotz allem irgendwie noch frustrierender als Band 1. 

Das Cover des Romans gefällt mir wieder sehr gut: Der "Titelkreis" ist dieses Mal orange abgebildet, dazu sieht man im Hintergrund eine Brücke Hamburgs. Während man bei Teil 1 die Brücke noch von Weitem sieht, scheint man beim 2. Band auf genau dieser jetzt zu stehen. Als würde man einen Spaziergang durch Hamburg unternehmen. Eine ausgesprochen interessante Gestaltungsidee.

Übrigens braucht man das erste Buch nicht vorher gelesen haben, allerdings empfehle ich es schon. Ich finde Takeda im ersten Teil noch so erfrischend neu und manchmal einfach nur liebenswert naiv, während man hier dann schon mehr merkt, dass er bereits einige Monate in Deutschland lebt. Verwundert dagegen hat mich, dass es in diesem Buch weder Nachwort noch Danksagung gibt. 

_________________________________
Eine Stelle aus dem Buch:
  • "Jazz war wie das Moos, das sich an kargen Felsen in der Kälte klammerte, entgegen allen Regeln des Lebens."
  • "In Japan hätte er sich jetzt an einem Automaten eine Dose mit heißem Café au Lait gezogen. Zusammen mit einem Stück Gebäck wäre es das perfekte Frühstück gewesen. Hier aber gab es nicht einmal Filterkaffee im Plastikbecher. Zu dumm, dass die Deutschen Getränkeautomaten für ähnlich schlimme Umweltsünden hielten wie Atomkraftwerke oder Giftmülldeponien."

_________________________________

Fazit: 
In diesem Buch vereinen sich dieses Mal zwei Fälle, die wieder interessant aufgebaut sind. Auch hier gibt es vielfältige Motive und erst ganz am Ende ist alles komplett aufgeklärt. Einen spannenden Thriller könnt ihr hier nicht erwarten, dafür einen soliden Krimi mit einem deutsch-japanischen Ermittlerduo, dass sich gut ergänzt und seine Stärken und Schwächen hat. Mir persönlich gefiel der erste Teil noch knapp besser was die ganzen kleinen Alltagserlebnisse Takedas frisch in Deutschland betrifft, hier merkt man, dass er schon mehr "angekommen" ist. Dennoch ein interessanter Fall, wenn auch nicht mein persönlicher Favorit, manchmal hat es mich dann doch frustriert (der Fall, die Ermittlungen, die ähnlichen Abläufe wie in Teil 1). Man darf das Buch nicht zu ernst nehmen und oft switcht es zwischen humorvoll und sehr ernst. Mal ist es lustig und mal zutiefst frustrierend. 

🖝 Hier geht es zurück zu meinen Buchrezensionen: Japan Buchtipps

_______________________
* Unbezahlte Werbung / selbst getestet & selbst gekauft. 

Kommentare