Allgemeine Infos:
Titel: "TOKIO KILL"
Originaltitel: ebenfalls "TOKIO KILL"
Autor: Barry Lancet
Übersetzung:
Erscheinungsdatum: 2015 (D), 2014 (US)
von mir rezensierte Auflage: Erstausgabe 2015
Originalpreis: 9,99€ (D)
Verlag: HEYNE Verlag
Umfang / Buchart: 495 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Thriller
ISBN: 978-3-453-43781-4
Info: 2. Teil der Jim Brodie-Reihe.
Buchrücken:
"TÖTE DIE VERGANGENHEIT
Jim Brodie, feingeistiger Experte für asiatische Kunst und zugleich in den Kampfkünsten bewandert, hat in Tokio die Ermittleragentur seines Vaters übernommen. Eines Tages suchen ihn der alte Akira Miura und dessen dubioser Sohn auf. Miura fürchtet, dass ihm Feinde aus der Vergangenheit nach dem Leben trachten. Die Spur deutet auf die Triaden und auf ein schreckliches Kriegsverbrechen hin. 12 Stunden später wird Miuras Sohn im Vergnügungsviertel Tokios ermordet aufgefunden, grausam verstümmelt. Brodie muss in die Welt der Geheimbünde und der Mächtigen eintauchen und gerät in einen Kampf um Schuld und Sühne, in dem ein Menschenleben nichts zählt...
Authentisch und knallhart: Der neue Asien-Thriller von Barry Lancet geht unter die Haut!"
Text auf der Buchinnenklappe:
"Acht waren schon tot, als Akira Miura vor unserer Tür auftauchte und um sein Leben bangte. Als der Tumult draußen losbrach, führte ich gerade ein Ferngespräch mit London, bei dem ich einer Original-Tuschezeichnung von Sengai, dem bekannten japanischen Zenpriester, auf die Spur kommen wollte. Das Gerücht war aus Großbritannien gekommen, also ließ ich nichts unversucht, dieses mutmaßliche Juwel für einen Klienten in San Francisco dingfest zu machen, der jeden töten würde, um es zu bekommen, vor allem aber mich, wenn ich ihm nicht dazu verhalf. Menschen brachten sich schon für weniger um. Eine Erkenntnis, die sich jeden Tag aufs Neue bestätigte, seit ich bei Brodie Security war..."
"Barry Lancets große Liebe zu Japan nahm vor über 30 Jahren ihren Anfang. Nach einer ersten Asienreise beschloss Lancet, seine Heimat Kalifornien zu verlassen und für längere Zeit in Tokio zu leben. Er blieb über 20 Jahre lang in Japan, arbeitete bei einem großen Verlag und entwickelte zahlreiche Bücher, vor allem über die japanische Kunst und Kultur. Als Lancet eines Tages aufgrund eines Missverständnisses stundenlang von der Tokio Metropolitan Police verhört wurde, beschloss er, einen Thriller zu schreiben: Sein Debüt Japantown ist ebenfalls bei Heyne erschienen. Besuchen sie Barry Lancet im Internet unter www.barrylancet.com ." (Text aus dem Buch)
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Jim Brodie Thriller Reihenfolge:
- "JAPANTOWN"
- "TOKIO KILL"
- "PACIFIC BURN" (nicht ins Deutsche übersetzt)
- "THE SPY ACROSS THE TABLE" (nicht ins Deutsche übersetzt)
Vorkommende Charaktere:
Jim Brodie: Experte für japanische Kunst/ Antiquar & gleichzeitig führt er die Ermittleragentur seines Vaters "Brodie Security" fort
Jenny: 6-Jährige Tochter von Jim
Inspektor Kato: Inspektor bei der Tokyoter Polizei, ehemaliger buddhistischer Mönch
Officer Rie Hoshino: arbeitet in der Einheit von Inspektor Kato
Kunio Noda: Chefdetektiv von Brodie Security
Hamada: Ex-Polizist, Mitarbeiter von Brodie Security
Akira Miura: 96-Jähriger Klient von Brodie
Yoji Miura: Sohn von Akira Miura
Tokio no Tekken (TNT): Yakuza-Vollstrecker und Informant von Brodie
Nakamura Kendo-Club: Kendo Club, in dem Yoji trainiert
Tanaka und Kiyama - zwei Kendo-Schüler vom Kendo-Club
Danny Chang: ein Freund/Informant von Hoshino
Onkel Chang: Alter, weiser Mann in China-Town
Lester Chang: gehört zur Sippe
"Tommy-Gun" Tomita: Pressemann
Kazuho Takahashi & Graham: Brodies Bekannte aus der Kunst- & Antiquitätenwelt
Sengai: bekannter Mönch, von dem Gemälde auftauchen
Inoki - Alter Kamerad von Miura
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Meine Meinung:
Der Fall: Jim Brodie, welcher sowohl Experte für japanische Kunst/ Antiquar ist & gleichzeitig die Ermittleragentur seines Vaters "Brodie Security" fortführt, bekommt Besuch in eben jener Agentur: Akira Miura, ehemaliger japanischer 2. Weltkriegssoldat, fürchtet um sein Leben. Ehemalige Kameraden von ihm wurden getötet und er glaubt, die chinesische Seite möchte sich an ihm und den seinen rächen wegen dem, was im Krieg vorgefallen ist. Sein Sohn Yoshio glaubt nicht daran und tut die Ängste seines Vaters ab- bezahlt dies jedoch kurz darauf mit seinem Leben. Jim Brodie und sein Ermittlerteam sind alarmiert von der Brutalität und versuchen alles, um Miura-san zu retten und den oder die Mörder von dessen Sohn zu fassen. Dabei geraten sie selbst in einen gefährlichen Strudel der Gewalt.
Im Buch erwarten euch Themen wie Yakuza, Triaden, Spionage, China/Japan während des Zweiten Weltkriegs, Kendo und andere Kampfsportkünste- aber auch Kunstschatzthemen, wie die Werke des Mönches Sendai, der wirklich mal gelebt hat. Es ist ziemlich Actionreich und spannend, hier und da mit interessanten Cliffhängern und Wendungen, ein richtig spannender Thriller.
Allerdings kann ich auch Rezensionen verstehen, die davon schrieben, dass die Action manchmal an Hollywood erinnert. Jim Brodie bringt sich ziemlich oft in sehr riskante Gefahren und nicht immer kriegt er diese allein gelöst. Gerade zum Ende hin gibt es noch einige interessante Wendungen und Offenbarungen, ohne das ich jetzt zu viel spoilern möchte. Ich muss sagen, dass ich die "finale Begegnung" sozusagen ein bisschen zu übertrieben und blutig fand (und da langsam auch etwas den Überblick verlor was Täter und Taten anbelangte), aber ansonsten gefiel mir die Spannung sehr gut, genauso die mal langsamere, mal rasantere Handlung. Das war ein dickes Buch, was ich trotzdem schnell gelesen habe wegen seinem Spannungsgrad. Es hat mich recht schnell gefesselt und ich brauchte keine große Einlesezeit. Die Charaktere waren ebenfalls spannend, mir gefällt Jim Brodie, der kampfsportgeschulte Antiquariat, der nebenbei die Firma seines Vaters übernehmen musste und gleichzeitig noch alleinerziehendener, liebender Vater ist. Zwischen all diesen Spagaten und Sorgen findet er sich immer wieder und muss damit umgehen.
Die Geschichte ist aus seiner Ich-Sicht geschrieben. Der etwas eigene Humor der dabei zum Tragen kommt, hat mir sehr gefallen. Direkt zu Beginn etwa sagt der alte Miura selbstkritisch zu seinem Sohn: "Das nennst du herumrennen? Auf dem Friedhof in Aoyama gibt es Grabsteine, die bewegen sich schneller als ich, aber hier oben, meine grauen Zellen, die funktionieren noch sehr gut. Und im Übrigen, wenn ein Mann in meinem Alter nicht mehr das eine oder andere Jahr unter den Tisch fallen lässt, um der Damenwelt zu imponieren, dann ist es vorbei mit ihm." Brodie denkt sich daraufhin: "Der Typ fing an, mir sympathisch zu werden."
Das einzige, was mich minimal gestört hat, sind dann so z.B. Übersetzungen von Kyoto in "Kioto", aber das macht jeder im Deutschen anders- ich find es persönlich halt nicht schön so.
Was mir auch gefiel: bei einem ausländischen Action-Autor hatte ich sofort wieder Erinnerungen an "Endstation Tokio" [Link führt zu meiner Buchrezension dazu] und schon befürchtet, dass es ähnlich (schlimm) wird. Aber dem war nicht so: Nicht nur, dass es viel spannender und Actionmäßig besser ausgearbeitet war (meiner Meinung nach), auch der Bezug zu Japan gefiel mir besser. Während ich bei Endstation Tokio das Gefühl hatte, der Autor will uns hier alle möglichen Japanklischees erklären (und das manchmal sogar recht oberflächlich und unvollständig), kommt dagegen hier bei Tokio Kill hin und wieder auch die Erklärung eines Wortes, Satzes, oder Lebensgefühls (siehe unten bei Zitaten). Allerdings fließt das in den Text so nebenbei mit ein, es passiert fließend und nicht, als müsse man dem Leser alles erklären, als wisse dieser nichts von Japan.
Ohne zu sehr Spoilern zu wollen: Meine Lieblingsstelle im Buch ist übrigens die Begegnung mit Spion Zhou. Am Ende des Buches erklärt der Autor nicht nur, welche Fakten im Buch etwa alle wahr sind, sondern u.a. auch, dass er bereits Begegnung mit einem (ehemaligen?) Spion hatte. Übrigens waren der Auslöser zur Buchidee zwei zufällige Begegnungen des Autors mit älteren japanischen Kriegsveteranen. Ich finde, ihre Gefühle und Zerrissenheit wurden gut dargestellt im Buch. Entweder durch den alten Miura-san, oder Jim Brodie, der sich selbst seine Gedanken dazu macht.
Außerdem: Dieser Roman ist der zweite von Jim Brodie, der Vorgängerroman ist "Japan Town". Diesen Roman hatte ich vorher nicht gelesen und hin und wieder wird in Tokio Kill Bezug dazu genommen, z.B., dass Inspektor Kato und er sich seit damals kennen; allerdings ist es meiner Meinung nach nicht notwendig, den Vorgängerroman vorher zwingend gelesen zu haben. Es sind in sich abgeschlossene Fälle und dieser Roman hier funktioniert perfekt auch so. Vom Spannungsgrad her fand ich es sogar besser, erst den zweiten, dann den ersten gelesen zu haben (die Handlung vom 1. fand ich noch spannender).
- "Japaner nehmen ihre Scham lieber mit ins Grab, als sich ihr zu stellen. Die jüngere Generation geht inzwischen offener damit um, während die Älteren immer noch lieber den Mantel des Schweigens über die Vorgänge breiten, ob nun zu Recht oder nicht, und die Schuld ertragen. In ihren Augen war es heldenhaft. Der Inbegriff ihrer althergebrachten Vorstellung von gaman - Duldsamkeit. Es vermittelt ihnen das Gefühl, eine respektierliche Persönlichkeit zu sein. Wie Märtyrer. Menschen aber, die zwischen den Stühlen saßen - wie Miura - verätzte dieses Schweigen ganz langsam die Seele."
- "Die Welt braucht Menschen wie Sie und Tommy, um sie vor Menschen wie mir zu schützen."
- "Damit will ich sagen, dass wir nie Freunde sein werden. Aber ein geschätzter Feind ist besser als eine Bekanntschaft von zweifelhafter Loyalität."
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* Unbezahlte Werbung / selbst getestet & selbst gekauft.
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