Titel: "Japantown"
Originaltitel: ebenfalls "Japantown"
Autor: Barry Lancet
Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Joannis Stefanidis
Erscheinungsdatum: 2014 (D), 2013 (US)
von mir rezensierte Auflage: 2. Auflage 2014
von mir rezensierte Auflage: 2. Auflage 2014
Originalpreis: 9,99€ (D)
Verlag: HEYNE Verlag
Umfang / Buchart: 591 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Thriller
ISBN: 978-3-453-43780-7
Info: 1. Teil der Jim Brodie-Reihe.
Buchrücken:

>>Mein Name ist Jim Brodie. Ich bin in Tokio aufgewachsen, lebe in San Francisco und verbringe meine Zeit vor allem damit, antike Vasen zu reparieren. Ab und zu helfe ich der Polizei. Heute Nacht haben sie mich nach Japantown gerufen. Eine japanische Familie wurde auf brutale Weise hingerichtet. Doch das ist nicht alles. Am Ort des Verbrechens fand ich ein japanisches Schriftzeichen- das gleiche Zeichen, das vor drei Jahren bei meiner ermordeten Frau entdeckt wurde. Dies wird der Fall meines Lebens, der Fall, den ich lösen muss: koste es, was es wolle...<<
>>Elegant und brutal - Japantown ist ein großes, aufregendes Thriller-Debüt!<<J.GT.Ellison"
"Barry Lancets große Liebe zu Japan nahm vor über 30 Jahren ihren Anfang. Nach einer ersten Asienreise beschloss Lancet, seine Heimat Kalifornien zu verlassen und für längere Zeit in Tokio zu leben. Er blieb über 20 Jahre lang in Japan, arbeitete bei einem großen Verlag und entwickelte zahlreiche Bücher, vor allem über die japanische Kunst und Kultur. Als Lancet eines Tages aufgrund eines Missverständnisses stundenlang von der Tokio Metropolitan Police verhört wurde, beschloss er, einen Thriller zu schreiben: Sein Debüt Japantown ist ebenfalls bei Heyne erschienen. Besuchen sie Barry Lancet im Internet unter www.barrylancet.com ." (Text aus dem Buch)
_________________________________
Jim Brodie Thriller Reihenfolge:
- "JAPANTOWN"
- "TOKIO KILL"
- "PACIFIC BURN" (nicht ins Deutsche übersetzt)
- "THE SPY ACROSS THE TABLE" (nicht ins Deutsche übersetzt)
Vorkommende Charaktere:
Jim Brodie - Hauptcharakter; Antiquitätenhändler & Teilinhaber von Brodie Security
Jenny - 6-Jährige Tochter von Jim
Lieutenant Frank Renna - Ermittler vom San Francisco Police Department
Jake Brodie - Jims verstorbener Vater
Bill Abers - Mitarbeiter im Antiquariat
Kazuo Takahashi - befreundeter Kunsthändler
Kunio Noda - führender Detektiv bei Brodie Security
Shig Narazaki - Geschäftspartner von Brodies Vater, Angestellter bei Brodie Security
Joji 'George' Suzuki - Freund von Jim & in der Buchhaltung als Teilzeitstelle bei Brodie Security tätig
Mari Kawasaki - Computerexpertin bei Brodie Security
Toru Namikoshi - externer Computer-Mitarbeiter bei Brodie Security
Hiroshi "Tommy-Gun" Tomita - befreundeter Journalist
Meine Meinung:
Kurz vorab: Dies ist das Debüt und sozusagen der erste Fall von Jim Brodie- ich habe es ein bisschen in umgekehrter Reihenfolge gelesen, zufällig bin ich nämlich über den zweiten Teil, "Tokio Kill", zuerst gestolpert und habe diesen zuerst gelesen (Link führt bald zur entsprechenden Buchrezension hier im Blog). Wer wie ich vielleicht auch erst das andere zuerst gelesen hat oder die Reihe gar nicht kennt, eine kurze Zusammenfassung: Jim Brodie betreibt in Amerika einen Antiquitätenhandel, hat aber gleichzeitig einen Teil der Firma seines Vaters geerbt: Brodie Security, eine Detektei in Tokio. Von klein auf mit verschiedenen Kampfsportarten aufgewachsen und von seinem Vater mit zur Arbeit genommen als Junge, hat er dessen Job kennengelernt- und möchte trotz der zwischenzeitlichen Entfremdung von seinem Vater der Detektei und seinen Angestellten gerecht werden.
Der Fall: in Amerika wird eine ganze japanische Familie ausgelöscht, mitten auf der Straße. Der zuständige Lieutenant Frank Renna vom San Francisco Police Department bittet seinen Freund Brodie als Berater hinzu. Brodie fällt ein Detail mit Grauen auf: am Tatort wurde ein Kanji hinterlassen, dass dem ähnlich sieht, dass damals in der Nähe seiner verstorbenen Frau gefunden wurde. Kurz darauf wird Brodie mit seiner Firma von Herrn Hara engagiert, den oder die Mörder hinter dem Tod der Familie herauszufinden- bei denen es sich um Haras Tochter und Familie handelt. Schon bald geraten Brodie, sein Hauptdetektiv Noda und die Firma auf der Suche nach dem Kanji in äußerst gefährliche Gefilde... gefährlicher, als sie sich je hätten erträumen lassen. Sie müssen sich bald fragen, wem sie noch trauen können.
Der Charakter Jim Brodie: Ich mag die Figur des Jim Brodie sehr. Der zwischen zwei Kulturen aufgewachsene Mann, der sowohl in Antiquitäten bewandert ist, als auch versucht, den Fußstapfen seines Vaters gerecht zu werden. Der seine Frau verlor und gleichzeitig ein liebevoller nun alleinerziehendener Vater ist, andererseits aber auch eine weltgewandte Art hat und einen Humor, den ich irgendwie mag. Klar, realistisch gesehen denk ich mir ab und zu: Ja klar, die kleine Detektei und vor allem auch immer wieder Jim Brodie erlebt so krasse Sachen, kommt immer wieder nur knapp davon, vieles erinnert an Hollywoodfilme- das Buch wäre so ein guter Film. Aber andererseits mag ich es dann trotz dieser unrealistischen Tatsachen doch sehr.
Der Thriller: Bei diesem Buch hier schwindelte mir oft der Kopf. Die Katastrophe nahm unendliche Ausmaße an wo ich mir dachte: wie wollen sie da je wieder raus kommen?! Aber ich hatte die Fortsetzung gelesen, also musste es ja sein. Während des Lesens wurde ich selbst fast mit paranoid. Es ist unglaublich, was der Autor sich einfallen lässt und wie viel davon tatsächlich recherchiert ist. Es geht hier u.a. um Geheimgesellschaften und ich muss sagen, dass ich dieses Buch viel interessanter und spannender als Teil 2 im Nachhinein finde. Nichtsdestotrotz blieben bei mir Fragen zurück nachdem ich beide Bücher gelesen hatte. Denn bei Teil 1 hatte ich z.B. darauf gehofft, dass seine Beziehung zu dem Yakuza "TNT" aus Buch 2 besser beleuchtet wird, der kam hier aber überhaupt nicht vor. Es gibt Anspielungen, dass Brodie bereits zuvor einen gefährlichen Auftrag mit der Firma hatte, aber so wie es klang, fragte ich mich dann, ob es noch ein Buch davor gibt (soweit ich weiß, aber nicht). Dann wiederum fragte ich mich, dass Charaktere wie z.B. sein Freund George, den ich irgendwie auch mochte, in Teil 2 nicht vorkam, obwohl er hier durchaus ja eine Rolle nebenbei spielte. Schade finde ich übrigens auch, dass es Teil 3 und 4 gibt, aber nicht auf Deutsch. Wer Interesse an der Reihe hat, kann also nur auf Englisch weiterlesen. An und für sich ist das Buch wirklich sehr spannend, rasant, wie schon der andere Teil, den ich zuvor gelesen hatte und meiner Meinung nach der bessere Teil (obwohl ich Teil 2 auch gut fand- die 1 im Nachhinein eben nur noch etwas besser).
Erzählt wird wieder aus der Jim Brodie - Ich- Perspektive, geht es mal um andere Charaktere, ist die Sicht aus der 3. Person geschildert. Da es sich um ein Kanji handelt, ist dieses in Schreibschrift z.B. auch im Buch abgebildet und es wird uns einiges bei der Erforschung dazu erklärt, weshalb ich das mit der Abbildung viel genauer nachvollziehen konnte und sehr interessant fand. Wie schon im anderen Teil gefiel mir wieder sehr der so eigene Humor im Buch. Z.B.:
">>Machen Toru und Mari Fortschritte?<<
>>Sie fangen an zu stinken. Hab ihnen Seife und Gutscheine für das öffentliche Badehaus gleich um die Ecke besorgt.<<
>>Ich meinte andere Fortschritte?<<
>>Sie haben das Signal des Hackers nach London, Madrid und Neuseeland zurückverfolgt.<<"
Nebenbei lernt man noch etwas über Antiquitäten oder Ortschaften dazu. Z.B. erklärt er uns Tansu (Kommoden) oder Ukiyo-E Zeichnungen. Auch Geschichtliche Ereignisse werden aufgegriffen, wie etwa die "Stillhaltetaktik" der japanischen Regierung im Fall nach der Fukushima-Katastrophe. Brodie versucht aktuelle Themen oder Vergangenes relevantes zu erklären und einzuordnen. Auch, wenn der Autor kein Japaner ist, merkt man, dass er jahrelang in Japan gelebt und so einiges erfahren hat. Es wirkt alles immer gut und sachlich erklärt und recherchiert, umfangreich, nie anmaßend, wenn es um z.B. japanische Mentalität geht. Man nimmt Brodie ab, dass er zwischen beiden Kulturen aufgewachsen ist. Jim Brodie ermittelt im ersten Buch übrigens zwischen den USA und Japan hin und her, man hat immer also auch einen guten "Japananteil" (das, wonach ich in Büchern ja gern schaue).
- "Das Sprichwort gibt die Lebenseinstellung vieler Menschen in Japan wieder: Zeig nie deine wahre Macht. Eine gesichtslose Gestalt im Schatten zu sein gilt als eine Position der Stärke. So geht man hierzulande nicht nur miteinander, sondern auch mit dem Rest der Welt um. Diese Haltung hat den zusätzlichen Vorteil, dass man schwer angreifbar ist. Unsichtbare Ziele lassen sich kaum ins Visier nehmen. Die einflussreichsten Männer in der jüngeren Geschichte Japans waren die Königsmacher im Hintergrund - Männer, die das Rampenlicht scheuten. Man nennt diese Strippenzieher auch Kuroko - nach jenen beinah unsichtbaren, komplett in Schwarz gekleideten Bühnenhelfern des Kabuki-Theaters, die den Schauspielern vor den Augen des Publikums beim Kostümwechsel zur Hand gehen." (Jim Brodie zum Sprichwort: "Der kluge Adler verbirgt seine Krallen")
- "Kunio Noda pflegte seine Informationen in kurzen, abgehackten Worten auszuspucken. Selbst übers Telefon verströmte der Chefdetektiv von Brodie Security die geballte Energie eines Pitbulls. Er war liebenswert wie ein scharfkantiger Felsbrocken und redete nur unwesentlich mehr. Er hatte ein plattes Gesicht, einen listigen Blick und wirkte bei einer Körpergröße von knapp eins achtzig breit wie ein Kleiderschrank. Mit dem Resultat, dass die Leute ihm instinktiv aus dem Weg gingen, wenn er ihnen auf der Straße entgegen kam."
_________________________________
* Unbezahlte Werbung / selbst getestet & selbst gekauft.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Ich freu mich über eure Kommentare! :)