
Allgemeine Infos:
Titel: "Der Kuss des Feuers"
Originaltitel: 火の接吻 (Hi No Seppun)
Autor: Masako Togawa
Übersetzung: Übersetzt aus der englischen Ausgabe "A kiss of Fire" von Carla Blesgen
Erscheinungsdatum: 1985 (JP), 1987 (Engl), 19990 (D)
von mir rezensierte Auflage: Deutsche Erstausgabe von 1990
Originalpreis: 8,80 DM (D)
Verlag: Goldmann Verlag
Umfang / Buchart: 219 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Kriminalroman
ISBN: 3-442-05114-2
Buchrücken:
">>Schon der Geruch von Benzin läßt seinen Körper erbeben, aber das ist nichts im Vergleich zu dem Gefühl, das ihn überwältigt, wenn er ein brennendes Streichholz hineinwirft, wenn er den Knall der Explosion hört und die blauen Flammen in den nächtlichen Himmel lecken sieht.<<
Ein Brandstifter versetzt Tokyo in Angst und Schrecken. Immer, wenn er den dunklen Mächten, die ihn treiben, erliegt, sind Menschenopfer zu beklagen. Die Spuren seiner zwanghaften Taten führen zu einer anderen Feuerkatastrophe. Sie liegt viele Jahre zurück und ist der Schlüssel für die Verkettung von Täter und Jäger.
>>Masako Togawa schafft eine Umgebung und Atmosphäre, die uns gleichzeitig durch die Fremdheit und durch ihre Nähe zu unserer eigenen Welt fasziniert. Das Fremde und das Bekannte verschmelzen geheimnisvoll, die Spannung ist erschreckend.<< Ruth Rendell
>>Die P.D. James Japans<<. Times Literary Supplement
Beschreibung auf der ersten Buchseite:
"Drei Männer - der Detektiv Uno, der Feuerwehrmann Onda und der Versicherungsmakler Michitaro - sind in ihrer Kindheit Zeugen eines verheerendes Brandes geworden, bei dem Michitaros Vater ums Leben kam. Die Ursache des Feuers konnte nicht ermittelt, der Verdacht, der auf den Kindern lastete, niemals ausgeräumt werden. Viele Jahre später werden die drei Männer durch eine mysteriöse Brandstifterserie von den Schatten der Vergangenheit eingeholt. Immer tiefer werden sie in ein enges Netz von Eifersucht, Rache und Zerstörung gezogen."
Masako Togawa wurde 1933 in Tokio geboren. Sie arbeitete als Nachtclubsängerin, bevor sie zu schreiben begann und mit vierundzwanzig in einem Krimiwettbewerb den ersten Preis gewann. Ihre meisterlichen psychologischen Kriminalromane sind Bestseller und wurden vielfach preisgekrönt. Masako Togawa besaß einen Nachtclub in Tokio und war eine bekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Japan, berühmt für ihre Krimis, Essays und sozialkritischen Beiträge. Ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Neben der Tätigkeit als Schriftstellerin und Nachtclubbesitzerin war sie auch Sängerin und Schauspielerin. Sie ist 2016 im Alter von 85 Jahren verstorben.
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Meine Meinung
Dieses zugegeben schon ältere Werk Masako Togawas ist leider nur noch gebraucht zu erhalten und wurde nicht erneut aufgelegt. Darüber hinaus ist es das letzte ihrer auf deutsch übersetzten Bücher, dass ich noch nicht gelesen hatte. Die anderen Bücher findet ihr unten, wenn ihr der Verlinkung zur Übersichtsseite "Japan Buchtipps" folgt oder indem ihr auf das Label "Masako Togawa", klickt, soweit vorab.
Das Buch beginnt mit einem Prolog: In diesem erhalten wir Auszüge aus Zeitungen und Zeitschriften, die vom Brand bei & Tod des bekannten Malers Kazuhiko Matsubara handeln. Die Polizei hält es für möglich, dass der Brand von drei spielenden Kindern ausgelöst wurde, dem Sohn und seinen Freunden, alle 5 Jahre alt. Diese beharren jedoch darauf, dass eine "feuerspuckende, fledermausähnliche Gestalt" den Brand ausgelöst habe. 26 Jahre später beginnt das Buch und ist von Beginn an in verschiedene Handlungsstränge unterteilt:
"Der Feuerwehrmann" - Ikuo Ondo ist einer der drei damaligen Kinder, heute Feuerwehrmann. Die Serie des Brandstifters hält die Stadt in Atem und auch Ikuo will den Mann endlich fassen. In seinen freien Tagen geht er auf die Suche nach dem Brandstifter und Gefahrenquellen in der Stadt, die ihn anlocken könnten. Gleichzeitig gerät er darüber regelmäßig mit seiner Freundin Chieko aneinander, die sich mehr gemeinsame Zeit wünscht. Einerseits will er sie nicht verlassen, andererseits glaubt er auch, mit ihr keine Zukunft zu haben. Da der Brandstifter bisher immer an Ikuos freien Tagen zugeschlagen hat, beginnt Ikuo sich zu fragen, ob nicht in Wirklichkeit er der Brandstifter ist und eine gespaltene Persönlichkeit hat. Auch Chieko hält es nicht für abwegig..
"Der Detektiv" - Ryosaku Uno ist Kriminalbeamter, der ebenfalls nach dem Brandstifter fahndet und einer der drei ehemaligen Freunde ist. Er erinnert sich noch heute mit Furcht an den Brand vor 26 Jahren, wo ihm hinterher ein "Erwachsener" (nicht näher benannt vorerst) ein Geständnis abringen wollte, dass er den Brand bei Maler Matsubara verursacht habe, was Ryosaku jedoch vehement verneinte. Diese Erinnerungen verfolgen ihn noch heute und so will er den aktuellen Brandstifter fassen..
"Der Brandstifter" - hier wird es interessant, denn relativ von Beginn an wird kein Hehl daraus gemacht, dass dieser Michitaro Matsubara sei, Sohn des vor 26 Jahren im Brand umgekommenen Malers. Er arbeitet bei einer Versicherungsfirma, lebt bei seiner Mutter, eine Psychiaterin, die sehr an ihm klammert. Er weiß, dass er mit ihr brechen müsste, um richtig jemals frei zu sein- aber das kann er nicht. Gleichzeitig ist sein Blick in die Vergangenheit interessant: als Kind hatte er das Gefühl gehabt, dass seine Mutter nach dem Brand von ihm unbedingt ein Geständnis haben wollte, dass er den Brand bei seinem Vater gelegt habe.. Aber ist er damals wie heute wirklich ein Brandstifter..?
So springt die Sicht bzw. Erzählung zwischen den Charakteren immer hin und her und man erfährt Stückchenweise immer mehr von der Geschichte. Alle drei kennen sich von früher, haben aber keinen Kontakt mehr miteinander und geraten durch die aktuelle Brandserie wieder zueinander zufällig in Kontakt. Eine Art dreifaches Katz-und-Maus-Spiel entsteht und jeder Charakter stellt sich im Laufe der Geschichte Fragen zu Ungereimtheiten, die wir als Leser auch nur Stückchenweise erfahren. Immer mehr Charaktere werden in die Geschichte verwickelt, etwa die Frau mit dem Löwen, die Tempelmitarbeiter, Chieko, die Mutter von Michitaro, usw.
Wie in ihren anderen Werken enthüllt Togawa dem Leser nur stückchenweise immer mehr, lässt ihn vermeintlich etwas wissen- nur um im weiteren Verlauf mit einem Plotttwist um die Ecke zu kommen. Bei Togawas Krimis ist meist nie etwas, wie es auf den ersten Blick scheint, was ich an ihren Büchern so liebe. Man hat quasi bis zur letzten Seite immer wieder noch eine unerwartete Wendung. Ich habe oft meine Vermutungen und werde doch immer wieder überrascht. Das gefällt mir immer wieder sehr. Auch, wenn ich die anderen Bücher von ihr noch besser fand als diesen- der hier war dennoch auch interessant.
Was mir nicht so gefallen hat: Der Roman ist halt schon älter und ja, da muss man eben über die ein oder andere Sache hinweg sehen. Ihr werdet nicht die neueste Rechtschreibung finden (z.B. "Boß" - Boss) und ihr werdet auch nicht mehr ganz zeitgemäße Ausdrucksweisen finden. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass das hier leider wieder eine Übersetzung der Übersetzung ist- das deutsche Buch ist eine Übersetzung der englischen. Wer mich kennt: Ich mag das nicht, da in Übersetzungen von Übersetzungen Dinge verloren gehen und Formulierungen manchmal etwas hölzern klingen. Hier manchmal wirkt der Erzählstil auch ein bisschen hölzern, ob es eben dem Übersetzungsfaktor geschuldet ist, oder dem Deutschland von 1990. Oder dem Original, dem Japan der 80er: Es kann auch Erzählstil sein, die anderen Togawa-Romane lesen sich stiltechnisch zumindest ähnlich. Was mir hier noch mehr als bei den anderen Romanen auffiel, waren die Frauenbeschreibungen. Entweder, es ist mir zuvor nicht so stark aufgefallen, ich habe nicht darauf geachtet oder es nicht so mitbekommen: Aber hier in diesem Roman finde ich die Frauen leider oft hysterisch, selbstbezogen oder einfältig. Sie haben mir quasi beim Lesen schon Krach im Kopf gemacht.. Ich weiß nicht, ob das unbewusst, absichtlich oder eine übertriebene Überspitzung ist. Jedenfalls fand ich das nicht sooo und war ehrlich gesagt immer etwas froh, wenn da so eine hysterische Frau wieder "verschwand" und man nur von einem der Männer las. Man muss sich eben sagen, das Buch stammt noch aus einer ganz anderen Zeit. Der Wechseln zwischen den drei Charakteren dagegen fand ich interessant. Und das Masako Togawa bei ihren Büchern einen Hang zum dramatischen hat, ist mir ja nicht neu.
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- "Sein Körper erstarrt, und sein Geist scheint für einen Augenblick in den Himmel zu fliegen, bis ihn die Erkenntnis seiner Tat packt und seine Seele in die Hölle schleudert. Dann verschwindet der schwarze Schatten wieder wie der Wind in der Nacht - wie ein schwarzer Wind, der niemals gefangen werden kann. Doch eines Tages werden sie ihn fangen, sie, deren geliebte Angehörige und Erinnerungen er in Asche verwandelt hat. Sie werden ihm seine schauerlichen Ekstasen nicht vergeben, das weiß er. Er wird die Umarmung der Flammen, den süßen Kuss des Feuers nicht mehr lange genießen können. Man ist ihm bereits auf der Spur."
- "Es gibt bei uns ein Sprichwort: Einen Buddha kannst du schnitzen, seine Seele nicht."
- "Er ließ sich all seine Schandtaten durch den Kopf gehen und fragte sich, für welches seiner Verbrechen er eigentlich bestraft wurde - sofern es überhaupt Verbrechen waren. Hatte er nicht mit vollem Recht so gehandelt?"
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