"Bis wir uns fanden" - Buchrezension

Allgemeine Infos:
Titel: "Bis wir uns fanden - Japans erstes schwules Ehepaar"
Originaltitel: 僕が夫に出会うまで (Boku ga otto ni deau made) oder: "Until I meet my husband"
Autor:  Ryousuke Nanasaki/ Yoshi Tsukizuki
Übersetzung: Doreaux Zwetkow
Erscheinungsdatum:  2022 (D),  2019 (JP)
von mir rezensierte Auflage: 1. Auflage 2022
Originalpreis: 14,00€ (D)
Verlag: Hayabusa Verlag
Umfang / Buchart: 265 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Auto-Biografie
ISBN: 978-3-551-62237-2
Info: Das Buch von Ryousuke Nanasaki ist auch als Manga von Yoshi Tsukizuki erschienen.

Buchrücken:


"Ryousuke Nanasaki gehört noch heute zu den einflussreichsten LGBTQ-Aktivist*innen Japans - dies ist seine Geschichte."

Beschreibung auf der ersten Buchseite:
"Im Oktober 2016 heiratete Ryousuke Nanasaki seinen Ehemann - diese Hochzeit sollte die erste religiös anerkannte gleichgeschlechtliche Hochzeit Japans werden. In diesem berührenden autobiografischen Roman erzählt Ryousuke über seine Erfahrungen als schwuler Mann in Japan. Die tiefen Einblicke in sein Seelenleben erzählen von vorsichtigen Erkenntnissen in der Kindheit, zarten Schwärmereien, peinlichen Date-Momenten und vielen schmerzhaften Erlebnissen. Ein wichtiges Buch, dessen Erzählkraft vielen Menschen Mut und Hoffnung gibt. Parallel dazu veröffentlicht HAYABUSA auch die Manga-Adaption von Yoshi Tsukizuki, die die wichtigsten Eckpunkte aus Ryousukes Biografie aufgreift und in wundervolle Bilder umsetzt." 

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Kurz über den Autor:
"Ryousuke Nanasaki, geboren 1987 in Hokkaido. Nach Oberschulabschluss Umzug nach Tokyo. 2015 - gründete die LGBT Community Edogawa. April 2016 - Gründete eine Firma für Hochzeitsplanung für die LGBT-Spektrum, die Juerias LGBT Wedding. Oktober 2016 - Wurde durch die erste religiös anerkannte gleichgeschlechtliche Hochzeit bekannt. April 2019 - Im Bezirk Edogawa wird das Partnerschaftssystem eingeführt und erhält den allerersten Eintrag." (Aus dem Buch)
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Inhaltsverzeichnis:


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Vorkommende Charaktere:
Ryousuke - Hauptperson, Erzähler
Sakura - erste  (weibliche) Beziehung von Ryousuke
Tsukasa - 1. Liebe Ryousukes, hetero
Hidemi - Freundin von Tsukasa
Azu - eine Schulfreundin von Ryousuke, die er als "gewaltig" beschreibt
Hasegawa - Schulfreund an der Oberschule, verliebt in Tsuda, während Ryousuke in ihn unglücklich verliebt ist
Tsuda(chi) - Freundin von Ryousuke, er bezeichnet sie als Schulschönheit
Ai - Ryousukes "Liebesrivalin", die ebenfalls in Hasegawa verliebt ist
Mami - feste Freundin von Hasegawa
Asami - gute Freundin von Ryousuke, vor ihr hat Ryousuke sein Coming-out
Eri - gute Freundin von Ryousuke, mit ihr gründet er "Juerias"
Yuki - gute Freundin von der Oberschule
Tatsuya - 3. unglückliche Liebe von Ryousuke
Yuri - Freundin von Tatsuya
Takuma - 1. männliche Beziehung Ryousukes
Juerias - kurz für "Juerias LGBT Wedding"
Yuta - kurze Affäre Ryousukes
Ryota - kurze Beziehung Ryousukes, bevor er mit dem Freund von dessen Mitbewohner Koichi, Hiroki, zusammenkommt
Ryosuke - Mann von Ryousuke

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Meine Meinung:
Zum Inhalt: Ryousuke Nanasaki bekommt bereits in der Grundschulzeit an den Kopf geworfen, er solle sich nicht so weiblich verhalten und wird "Schwuchtel" genannt. Auch Lehrer machen es mit ihren Interventionen eher schlechter als besser. In der Mittelschule bemerkt er, dass ihn das Reden mit Jungs nervöser macht als mit Mädchen und auch hier wird er gemobbt. Mit dem Beitritt in den Schülerrat findet Ryousuke eine Aufgabe für sich- und eine erste Liebe in Tsukasa, der jedoch hetero ist und nichts von Ryousukes Gefühlen weiß. An weiterführenden Schulen hat Ryousuke dann ähnlich schmerzhafte Liebeserfahrungen. Zufällig kommt es irgendwann vor einer Freundin von ihm zu seinem ersten Coming-Out mit 20 Jahren. Ab da sagt er es noch mehr Freunden und Familie, erlebt aber nicht nur positive Reaktionen. Als er von Hokkaido nach Tokyo zieht, kommt Bewegung in sein Liebesleben: Nicht nur, dass er erste sexuelle Erfahrungen als schwuler Mann machen kann, er verliebt sich nun auch in Männer, die seine Gefühle erwidern und beginnt Beziehungen. Jedoch erlebt er auch da so einiges, macht mit verschiedenen Partnern schöne Zeiten, aber auch sehr anstrengende durch- erlebt Gewalt, Partner mit seltsamen Fetischen oder Partner mit psychischen Problemen und Abhängigkeiten. Irgendwann begegnet er seinem Mann und beschreibt ihren Weg zur Akzeptanz als Ehepaar. Ryousuke zeigt auch auf, wie schwer man es in Japan noch als homosexuelles Paar hat: Wohnungssuche, bei der Polizei, selbst die Beratungsstelle für häusliche Gewalt ist überfordert. Sogar innerhalb der schwulen Gemeinschaft gibt es Zweifel, dass man z.B. auf Dauer nicht mit einem Mann glücklich werden kann und sich irgendwann eine Frau suchen sollte, um in die Gesellschaft zu passen. 

An und für sich fand ich die Autobiografie schon interessant und ich finde, dass auch wenn man hetero ist, dieses Buch lesen kann und sollte. Man sollte sich immer für seine Mitmenschen und ihre Probleme interessieren und nicht die Augen verschließen. Ryousuke formuliert es mehrmals auch ganz gut im Buch: Wie sollen Kinder lernen, nicht Mobbingtäter oder -opfer zu werden, wenn wir es ihnen nicht vorleben? Mit seiner Liebe möchte er niemanden weh tun und einfach glücklich sein. Etwas, dem man nichts hinzufügen kann. 

Erzählstil: In seiner Autobiografie schreibt Ryousuke sehr ehrlich über seine Gedanken, Gefühle und Erlebnisse, ich würde ihn ein Stück weit schon als extrovertiert beschreiben. Er nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Es ist literarisch gesehen kein sprachliches Meisterwerk (aber wer erwartet das auch schon bei Autobiografien), aber es ist in Ordnung. Ich fand es sehr ehrlich formuliert. Er ist eben kein Autor, der Jahre an seinem Werk gefeilt hat oder besonders begabt im Ausdruck ist. Wer übrigens Angst vor expliziten sexuellen Szenen haben sollte, kann beruhigt sein: Es wird angedeutet, aber nie explizit ausformuliert. Übrigens zog ich für mich das Resümee, dass wir zwar in Deutschland öfter über Rechte und Gesetze schimpfen und da wohl auch noch nicht perfekt sind, aber ich fand, dass es in Japan seinen Beschreibungen nach für Homosexuelle (Paare) noch schwieriger ist.

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Zitate aus dem Buch:
  • "Nicht wir sind die Reinfälle. Die Gesellschaft ist einfach noch unvollkommen."
  • "Vielleicht reichten die Menschen vor der Geburt Unterlagen bei den Göttern ein. Darauf stünden dann viele detaillierte Angaben zu Geburtsland, der Ethnie und Geschlecht zur Auswahl und meine Unterlagen dazu waren unvollständig."

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Fazit: 
Ryousuke beschreibt sein Leben ehrlich und in seinen Worten. Er zeigt auf, welche Ängste ihn als Jugendlicher und junger Mann umtrieben, schreibt über seine Schulzeit und später die Zeit in Tokyo. Er spricht ehrlich positive und negative Erinnerungen und Gedanken an, kommt schließlich zu seinem jetzigen Mann und, wie sie an die Behörden mit ihrem Wunsch nach Ehe herantreten. Vielleicht nicht literarisch das ausgefeilteste Werk, aber das möge man einer Autobiografie nachsehen. Ein Buch für jedermann, der versucht, seine Mitmenschen verstehen zu wollen oder noch etwas mehr aus & über die japanische Gesellschaft erfahren möchte.

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