"Die Tage in der Buchhandlung Morisaki" - Buchrezension

Allgemeine Infos:
Titel: "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki"
Originaltitel: 森崎書店の日々(Morisaki shoten no hibi)
Autor: Satoshi Yagisawa
Übersetzung: Aus dem Japanischen von Ute Enders
Erscheinungsdatum:  2023 (D), 2010 (Jp)
von mir rezensierte Auflage: 5. Auflage 2024
Originalpreis: 12,00€ [D]
Verlag: Insel Verlag
Umfang / Buchart: 189 Seiten, Paperback/Taschenbuch-Umschlag
Genre: Roman, Alltag, Liebesroman, Slice of Life
ISBN: 978-3-458-68337-7
Info: Band 1 der "Bücherliebe in Tokio"-Reihe. Das Buch wurde mit dem Chiyoda-Literaturpreis ausgezeichnet und von Asako Hyuga mit Akiko Kikuchi in der Hauptrolle verfilmt.

Buchrücken:

"Vom Trost der Bücher: Eine junge Frau schlüpft während einer Lebenskrise im vor Büchern überquellenden Antiquariat ihres Onkels in Tokios Buchhandlungsviertel Jinbocho unter. Nach und nach entdeckt sie ihre Leidenschaft für die Bücher, schließt neue Freundschaften - und findet schließlich zurück ins Leben.
Satoshi Yagisawa erzählt in seinem japanischen Bestseller schnörkellos, leichtfüßig und charmant von der heilsamen Kraft des Lesens.
》Ein schöner Roman, der Mut macht sich auf das Leben und die Liebe einzulassen... warmherzig geschrieben und sorgt für wunderschöne Lesestunden.《 Hauke Harder, leseschatz.com"

Beschreibung auf der ersten Buchseite:
"Die 25-Jährige Takako hat einen Job, eine Wohnung in Tokio und einen festen Freund. Als dieser ihr eines Abends freudig eröffnet, er werde heiraten - und zwar eine andere -, fällt sie aus allen Wolken. Vor Kummer verkriecht sie sich und kündigt ihren Job. Als ihr Onkel ihr anbietet, eine Zeitlang in seinem Antiquariat im berühmten 》Bücherviertel《 Tokios, Jinbocho, auszuhelfen und dort auch unterzukommen, findet sie das zwar zunächst alles andere als reizvoll, willigt aber ein. Doch in dem kleinen Zimmer über dem Laden, inmitten von Büchern, entdeckt sie ihre Leidenschaft fürs Lesen - und schöpft allmählich wieder neue Kraft.
Satoshi Yagisawa erzählt in seinem Bestseller schnörkellos, leichtfüßig und charmant von einer jungen Frau, die durch die heilsame Kraft des Lesens zurück ins Leben und zu neuen Freundschaften findet."

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Kurz über den Autor:
"Satoshi Yagisawa wurde 1977 im japanischen Chiba geboren. Er studierte an der Nihon University in Tokio. Die Tage in der Buchhandlung Morisaki ist sein Debüt und wurde mit dem Chiyoda Literature Prize ausgezeichnet." (Aus dem Roman)
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Vorkommende Charaktere:
Takako: 25, Hauptperson, stammt ursprünglich aus Kyushu, lebt in Tokio.
Hideaki: Takakos Kollege & (Ex)Freund, 
Satoru Morisaki: Takakos Takakos Onkel, Buchhandlungsbesitzer
Momoko Morisaki: Exfrau von Satoru, Takakos Tante
Herr Sabu: kleiner, älterer, glatzköpfiger Herr, Stammkunde vom Antiquariat Morisaki
Tomo-chan: Stammkundin im Antiquariat, arbeitet als Bedienung in Satorus Stammcafé Subor
Takano-kun: Auszubildender in der Küche von Satorus Stammcafé Subor
Wada-san: Junger Gast, der regelmäßig im Subor sitzt
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Meine Meinung:
Zum Inhalt: Takako wird ziemlich fies von ihrem Freund vor den Kopf gestoßen, als er ihr eröffnet, dass er heiraten werde, aber nicht sie- sie war nur seine Affäre. Erschüttert kündigt sie (sie waren auch noch Kollegen) und vergräbt sich zuhause. Ihre Mutter fädelt ein, dass Takako wieder mit ihrem Onkel in Kontakt kommt und schließlich bei ihm einzieht- über seinem Familienantiquariat. Doch zu Beginn ist Takako alles zuwider: ihr Onkel mit seiner Art und Weise passt ihr seit ihrer Jugend nicht mehr, und überhaupt ist die Wohnung die er ihr überlässt, erst einmal aufräumbereit und zugestellt mit Büchern. Mehr zum Zeitvertreib nimmt Takako sich irgendwann, schlaflos mitten in der Nacht, ein Buch und beginnt zu lesen. Unerwartet nimmt es sie so in den Bann, daß sie nicht aufhören kann. Interessant ist das Einbringen realer Bücher: Sie beschreibt kurz den Autor und die Handlung des Buches, bevor sie aufzählt, was ihr an dem Roman gefällt: "Was mich am meisten ansprach, war die Wärme des Autors seinen Figuren gegenüber, die selbst bei der Beschreibung der tristen Jugend des Helden und der schwierigen Verhältnisse, in denen er aufgewachsen war, zu spüren war. Sie berührte mich tief. So konnte nur jemand schreiben, der das Leben über alles liebte." - Takako spricht hier über einen Roman von Murō Saisei, der tatsächlich existiert, also Autor und Buch. Das macht das Buch irgendwie noch interessanter meiner Meinung nach, weil man sich (eventuell wie ich) damit zu beschäftigen beginnt, beginnt zu googeln, ob Autor und Buch existieren, worum es da geht, was der Autor sonst so geschrieben hat, etc. 
Nach und nach beginnt Takako, die Welt der Bücher für sich zu entdecken und entwickelt eine große Freude an ihnen. Gerade das Gebrauchte an ihnen gefällt ihr: mal ist es ein unterstrichener Satz der ihr ebenfalls gefällt, mal sind es getrockenete, in ein Buch gelegte Blumen, die sie erfreuen und ihre Gedanken beflügeln. Mit ihrem Interesse an den Büchern beginnt sie auch, die Welt um sich herum wieder mit anderen Augen zu sehen. Ihr Onkel zeigt ihr sein Lieblingscafé und sie lernt viele interessante neue Leute kennen. Und, was es heißt, endlich wieder zurück ins Leben zu finden.

Der zweite Teil des Buches handelt von Takako, die wieder ausgezogen ist, und ihrer Tante Momoko, die plötzlich nach Jahren der Trennung wieder im Antiquariat steht als wäre nichts gewesen. Ihr Mann, Takakos Onkel, kann sich überhaupt nicht erklären, warum sie plötzlich zurück ist, ohne weitere Erklärungen und, als wäre nie was gewesen. Er bittet Takako, ihrer Tante auf den Zahn zu fühlen- das erweist sich aber gar nicht als so einfach, da Tante Momoko für solche Gespräche nie recht greifbar ist. Bis Momoko mit Takako gemeinsam in den Urlaub fährt...

Das Buch (das meiner Meinung nach übrigens ein wunderschönes Cover hat!) Ist nicht gerade dick und eigentlich schnell gelesen. Es hat eine schöne Erzählweise und liest sich flüssig. Geschrieben ist es übrigens aus der Sicht von Takako. Ich konnte mir das Viertel Jinbocho, obwohl ich dort noch nie war, übrigens aufgrund der Beschreibungen (und des Covers) sehr gut vorstellen. Die Charaktere haben nette Eigenarten, lediglich Wada-san und Momoko waren länger ein Mysterium für mich, letztlich fügte sich aber auch da ein Bild zusammen. Das Buch beschreibt so schön Normalität, Alltag; nicht nur die Liebe zu Büchern- auch das menschliche Miteinander, das Zwischenmenschliche wird immer wieder zum Thema. Takakos Beziehung zu ihrem Onkel wird schließlich so liebevoll, dass es mich beim Lesen nur gefreut hat. Und auch sonst ist es ein sehr angenehmes "feel good" Buch.

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Eine Stelle aus dem Buch:
  • [...]"Aber so ist das vielleicht. Das, was man wirklich will, erkennt man erst im Laufe der Zeit."
    "Glaubst du... Ich vergeude meine Zeit?"
    Mein Onkel lächelte mich an. "Nein, das glaube ich nicht. Das Leben ist lang. Zwischendurch muss man auch mal innehalten, Pause machen. Du ankerst hier bloß ein Weilchen, und wenn du dich erholt hast, stichst du wieder in See."

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Fazit: 
Schnell gelesenes, kurzweiliges gute-Laune-Buch, das nicht nur die Liebe zu (alten) Büchern ehrt, sondern auch schönen (japanischen) Alltag und Zwischenmenschliche Themen mit sich bringt. 


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